Am Freitag den 05. Juni 2026 verlor die Nasdaq vier Prozent, ihr schärfster Einbruch seit Anfang 2025. Chip-Aktien brachen weg, und in den Schlagzeilen stand die Frage, ob der KI-Boom trägt.
Gleichzeitig drängen die großen Labore an die Börse. Anthropic reichte Anfang Juni seine Unterlagen ein, OpenAI zieht nach. Ein Analyst nannte es einen Wettlauf an die Börse, bevor das Geld ausgeht. Und ein Börsengang kennt keine Geduld: Wer an die Öffentlichkeit geht, muss Gewinne zeigen, nicht nur Visionen.
Wer KI in echte Geschäftsabläufe einbaut, liest daraus eine schlichte Drohung: Bisher zahlten die Investoren. Jetzt kommt die Rechnung – zu uns.
Die Zahlen scheinen das zu bestätigen. OpenAI gibt 1,69 Dollar aus, um einen Dollar einzunehmen, und steuert 2026 auf 14 Milliarden Dollar Verlust zu. Bei den Abos ist die Wende längst da: neue, teure Stufen, schärfere Limits, gekappte Kontingente. Wer sein Geschäft auf ein Verbraucher-Abo baut, zahlt bald mehr und darf weniger.
Also: berechtigte Angst? Nur halb. Denn die Sorge wirft zwei Dinge durcheinander.
Man bezieht KI auf zwei grundverschiedene Arten. Das Abo ist ein fester Monatsbeitrag – ChatGPT Plus, Claude Pro –, mit dem ein einzelner Nutzer im Browser chattet: viel inklusive, aber mit Limits. Die API, die Programmierschnittstelle, rechnet pro Token ab, der kleinsten Abrechnungseinheit der KI, exakt nach Verbrauch; aus ihr baut ein Unternehmen seine eigenen Anwendungen. Wer über teurer werdende KI klagt, meint fast immer das Abo. Wer KI in den Betrieb holt, rechnet in Token. Und beide folgen ganz verschiedenen Regeln.
Die Verluste der Anbieter stecken woanders – nicht im einzelnen Token, sondern im Unternehmen: im Training neuer Modelle, in Rechenzentren, in Gehältern, im riesigen Gratis-Angebot für Hunderte Millionen Nutzer.
Das Erzeugen einer Antwort – der reine Betrieb, ohne Entwicklungskosten – ist sogar ein gutes Geschäft. DeepSeek rechnete vor, dass die Einnahmen daraus die Kosten theoretisch um ein Vielfaches übertreffen, bei voller Auslastung. Anthropics Bruttomarge soll von 40 auf 77 Prozent steigen. Der Tokenpreis trägt also nicht nur seine Kosten – er wirft Gewinn ab.
Darum explodiert er auch nicht. Frei verfügbare Modelle, die jeder selbst betreiben kann, sind 15- bis 25-mal billiger als die Spitzenklasse und ziehen damit eine Untergrenze ein. Verdreifachte ein Anbieter seine Preise, wären die Kunden weg – jedenfalls für all die Aufgaben, die kein Spitzenmodell brauchen. Und das sind die meisten. Kein Wunder, dass die Preislisten seit Jahren stillstehen: Das Spitzenmodell Opus kostet seit vier Generationen dasselbe, fünf Dollar je Million Token hinein, fünfundzwanzig hinaus; das Mittelklassemodell Sonnet liegt unverändert bei drei und fünfzehn.
Nicht der Preis. Die Menge.
Modelle, die Schritt für Schritt nachdenken, und selbstständige KI-Agenten verschlingen Token wie nie. Eine einzige Antwort mit „erweitertem Denken" kostet schnell das Zehnfache einer normalen. Der Preis pro Token bleibt flach – ihre Zahl schießt hoch. Dasselbe spüren Sie im Abo: Nicht der Preis steigt, sondern das, was ein einziger Vorgang vom Kontingent abzieht.
Daraus folgt die ehrliche, fast tröstliche Antwort: Ja, KI wird Sie mehr kosten – aber nicht, weil der Token teurer wird, sondern weil Sie mehr davon verbrauchen. Und das ist die gute Nachricht: Diesen Verbrauch steuern Sie selbst.
Zwei Hebel entscheiden. Erstens der Verbrauch: nur die wirklich nötigen Informationen ins Modell geben statt ganzer Aktenberge, und für jede Aufgabe das passende Modell wählen, nicht stets das teuerste. Das spart zweistellige Prozente, ohne dass die Qualität leidet. Zweitens die Wahlfreiheit: Frei verfügbare Modelle sind heute stark genug für vieles, und Sie können sie selbst betreiben. Wer diese Alternative kennt, ist keiner Preiserhöhung ausgeliefert – ganz gleich, was an der Börse passiert.
Klug ist darum weder, auf fallende Preise zu hoffen, noch, aus Sorge alles aufzuschieben. Klug ist: Rechnen Sie Ihre Kosten pro Vorgang aus, und behalten Sie die Freiheit, jederzeit zu wechseln. So wird aus einer diffusen Sorge eine Zahl, die Sie beherrschen.
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