13 Jahre lang habe ich das Startup- und Innovationsökosystem in Heidelberg aufgebaut. KI war dabei früh ein Thema. Als GPT-3 und später ChatGPT erschienen, war mir klar: Diese Technologie wird ganze Branchen umschreiben. Aus einem gemeinsamen Vortrag mit Frank entstand unser erstes Projekt. Dann die Gründung. Wir hatten da bereits über zehn Jahre gemeinsam Innovationsprojekte umgesetzt. Anfangs ergänzte neunzehn meine bisherige Rolle. Seit Februar 2026 bin ich mit voller Kraft als Geschäftsführer dabei.
Als Gründer und Co-Geschäftsführer eines kleinen Unternehmens landet jede Aufgabe irgendwann auf meinem Schreibtisch. Mein Kern: Wie schaffen wir aus neuer Technologie echten Mehrwert? Daneben verantworte ich Kommunikation und Finanzen. BWL-Studium und viele Jahre im Marketing zahlen sich da aus.
Wir sind technologiebegeistert, aber nicht technologiegläubig. Im Team stecken viele Jahre Innovationserfahrung. Die haben uns eines gelehrt: Technologie ist die halbe Wahrheit. Kultur und Veränderungsprozesse entscheiden, ob Unternehmen wirklich von KI profitieren. Was uns antreibt, ist eine fast unbändige Neugier. Ständiges Lernen ist unsere Motivation. In einem Feld, das sich jede Woche selbst überholt, auch bitter nötig.
Wer jahrelang im Startup-Bereich gearbeitet hat, muss hier klar sein. Innovation ist, wenn Neues Altes verdrängt. Weil es besser oder günstiger ist. Innovation entsteht am Markt, nicht im Labor. Davor stehen Kreativität, Originalität, clevere Ideen. Wertvoll, aber noch keine Innovation. Viel zu vieles trägt den Namen, ohne ihn zu verdienen. Mir ist dabei wichtig, dass Erneuerung Werten folgt. Digitale Souveränität und die Wettbewerbsfähigkeit Europas treiben mich an.
Zuletzt hat mich OpenClaw beschäftigt. Ein Open-Source-Projekt, das einem Sprachmodell alle Freiheiten gibt: Daten lesen, verändern, mit externen Quellen kommunizieren. Das Besondere ist der Heartbeat. In regelmäßigen Abständen wird das System angestupst, doch mal wieder etwas zu tun. So entsteht der Eindruck, das System handle eigenständig und kontinuierlich. Technisch geradezu trivial. Aber eine echte Inspiration, agentische Systeme ganz anders zu denken.
Eine schwierige Gratwanderung. Kreativ bleibe ich, indem ich links und rechts aufzusauge. Neues lernen. Technologien ausprobieren. Auch Dinge anfassen, die abseits unserer Kernthemen liegen. Fokus heißt das Gegenteil: Sich nicht von jeder Entwicklung mitreißen lassen. Man braucht Zeit für beides. Abschalten gelingt mir am besten beim Golf. Wer dort nicht bei der Sache ist, wird vom Spiel bestraft. Frank behauptet, unser Name „neunzehn" stamme von meiner Begeisterung fürs neunzehnte Loch – die Bar im Clubhaus nach der Runde. Schöne Geschichte. Aber eine Legende. Wenn ich wirklich Zeit finde, sitze ich zwischen Oszilloskop und Lötkolben. Mikroelektronik fasziniert mich schon lange.
Konflikte. Unser ganzes Leben besteht daraus. Unvereinbare Interessen bei gegenseitiger Abhängigkeit. Das begegnet uns ständig. Privat wie beruflich. Damit umzugehen ist der Kern jeder Verhandlung. Ich musste viel lernen. Ich bin impulsiv. Aber es hat mir enorm geholfen zu verstehen: Meine Reaktion auf eine Situation ist immer eine Bewertung. Und in dieser Bewertung bin ich frei. Das gibt Raum, einen Schritt zurückzutreten.
Ich habe ständig Aha-Momente. Deshalb habe ich das Thema zu meinem Beruf gemacht. Ich schaue gerne tief in den Maschinenraum. Wie funktionieren neuronale Netze wirklich? Wie arbeiten Transformer-Modelle? Dabei erstaunt mich immer wieder, wie einfach die Mathematik dahinter ist. Und gleichzeitig, wie beeindruckend, dass Menschen darauf gekommen sind. Und wie fantastisch diese Modelle funktionieren.
Mathematik, Physik, Informatik, Wirtschaft – wir kommen aus ganz verschiedenen Richtungen. Und schauen uns ständig neue Themen an. Erst das Zusammenbringen dieser Perspektiven ergibt das vollständige Bild. Außerdem reden wir nicht um den heißen Brei herum. Alle verstehen: Es geht um die Sache, nicht um die Person.
Bei uns zu arbeiten ist Lernen auf der Überholspur. Egal ob Werkstudent oder Geschäftsführer. Wir machen fast jeden Tag Dinge, die wir noch nie gemacht haben. Erfahrung zählt, gerade im Umgang mit Menschen. Aber am Ende gewinnt die beste Idee, nicht der längste Lebenslauf.
Podcasts sind für mich eine wichtige Quelle. Dazu Hacker News, Reddit, soziale Medien. Aber in unserem Feld muss man sich damit abfinden, dass man ein paar Wochen etwas verpasst. Der Austausch mit den Kollegen hilft, schnell wieder aufzuholen.
Ich freue mich auf einen neuen Abschnitt. Seit Langem nur ein beruflicher Fokus. Das gibt mir Kraft, daran zu arbeiten, dass wir mehr Unternehmen helfen – die aktuelle industrielle Revolution nicht nur zu überstehen, sondern zu gestalten.
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